1.5.2011
Heute war um 8 Uhr Frühstück. Nach diesem machten wir uns auf den Weg in das jüdische Zentrum in Auschwitz, welches nur 10 Minuten fahrt entfernt war. Dort trafen wir auf unseren sehr tollen Guide Luisa. YEEEY! Mit ihr besuchten wir zuerst den Raum mit einer Ausstellung über die überlebenden Juden von Auschwitz und deren heutigen Einstellung zu Polen und die Frage nach ihrer Heimat. Die meisten der ehemaligen Auschwitz-Polen leben heutzutage in Israel. Die Meinungen gingen sehr auseinander. Viele sagen das sie mit Polen nichts mehr zu tun haben wollen, aber auch viele sagen das sie Polen aber auch Israel als ihre Heimat ansehen. Dort sahen wir einen kurzen Ausschnitt von den Auschwitz-Polen, die darin ihren Standpunkt klar machten. Im Anschluss sagte Luisa noch etwas über einzelne Personen aus dem Film. Vorallem beeindruckte uns der „Schatz“ von der ehemaligen, nicht mehr existierenden, Synagoge, der von den Gemeindemitgliedern dort vergraben wurde. Zu diesem „Schatz“ gehörten Kerzenständer, Menorot und Teile der Bima, an der sich auch der polnische Adler befand, der uns nochmal verdeutlichte, dass sich die Juden als Einwohner von Polen sahen. Daraufhin betraten wir die wiederrekonstruierte Synagoge in der wir viele schöne Lieder gesungen haben. Unser Guide Luisa hat sich sehr gefreut. Leider wird die Synagoge von keiner jüdischen Gemeinde benutzt, da es diese nichtmehr in Auschwitz gibt, jedoch aber gelegentlich von Reisegruppen die das Zentrum an Feiertagen besuchen. (Wir fanden es voll toll) Danach, obwohl es regnete, machten wir uns mit Luisa auf die Spuren, nach dem ehemaligen jüdische Leben in Auschwitz. Dort trafen wir auf eine ehemalige Schnapsfabrik, die aber leider nichtmehr als Gebäude steht. Die komplette Stadttour hat uns allen sehr gefallen! Im Anschluss besuchten wir den jüdischen Friedhof in Auschwitz. Dort haben wir spezifisch auf die Symbole der Grabsteine geachtet, da Pauline uns viel darüber beigebracht hatte. Auf dem Friedhof hatten wir eine kleine Zeremonie mit Rabbi Tom, wo wir das Kaddisch für die Toten gebetet haben. Nun holte uns Mary ab und führte uns durch weitere ehemalige jüdische Viertel und zu leider einer unbekannten Rampe an der die ersten Juden ankamen, bevor die Gleise bis in das KZ gebaut wurden. Nach dieser schon interessanten Tour fuhren wir ins Hotel zurück und aßen zu Mittag. Das Essen war ok. Danach machten wir uns auf den Weg in das Konzentrationslager Auschwitz, wobei wir viel Trauer empfanden. Die Meinungen über das KZ waren sehr gespalten. Wir bekamen eine deutschsprachige Führung, die sehr sachlich geblieben ist, was wir nicht verstehen konnten. Jedoch begriffen wir aber auch, dass diese Frau es schon als eine Art von Routine ansieht Gruppen durch das KZ zu führen. Als erstes besuchten wir viele Baracken, die die Geschichte von Auschwitz erzählten. Darauf folgten die emotionaleren Expositionen wie z.B die Haare, die eigentlich das Merkmal des Lebens und Schönheit sind. Ohne Haare ist ein Mensch nur noch ein anderer und auch ein Mensch der sich einfach nichtmehr wohlfühlt. Auch fanden wir es sehr erschreckend die Unmengen von Schuhen zu sehen, die den Häftlingen abgenommen wurden, vorallem aber auch die Kinderschuhe, welche noch einmal die Grausamkeit gegenüber den Kindern verdeutlichte. Manche waren auch sehr konfus über die Tatsache, dass den Gefangenen z.B Prothesen abgenommen wurden, obwohl man weiß, dass diese nichtmehr verwendbar sind. Wohl das Tief erlebten wir bei der Mauer an der die Insassen erschossen wurden. Daraufhin besuchten wir das danebenstehende Gefängnis für eben diese Menschen. Das brutale Verhalten gegenüber den Häftlingen, das sich vor allem darin widerspiegelte, dass es so gut wie keine Sanitätsmöglichkeiten gab und die brutalen Strafen sehr hart ausfielen. (z.B dass vier Leute in einer sehr kleinen Zelle zusammen stehen mussten und dadurch nicht viel Luft bekamen.) Nach dieser schrecklichen Erfahrung gingen wir in die Baracke, die extra für Gedenkzeremonien an die Opfer des NS-Regimes eingerichtet wurde. Dort las uns Jehudit mehrere Gedichte aus dem Tagebuch von Primo Levi vor, denn dieser hat das Lager überlebt. Durch die Texte wurde uns verdeutlicht unter welchen unmenschlichen Bedingungen die Menschen im KZ lebten. Nach einer Schweigeminute nach dem Kaddisch begaben wir uns zum Krematorium. Das Krematorium hat uns allen einen Schock gegeben, da dort nochmal klar wurde wie böse Menschen sein können. Nun gingen wir aus dem Lager, worauf Gali eine sehr ergreifende Rede hielt. Nach Auschwitz hatte jeder die Möglichkeit sich mit sich selber auseinanderzusetzen. Alle waren sehr aufgewühlt und emotional. Am Abend hatten wir dann einen sehr lehrreichen Workshop mit Rabbi Tom über das Bestehen des Glaubens an Gott nach der Shoah. Dieser Workshop hat gab uns viel Anreiz zum Nachdenken. Nach dem täglichen Tagesgespräch gingen wir alle zu Bett. Jedoch dachten wir über den kompletten Tag nach. Vor allem hat sich der Besuch von Auschwitz als sehr ergreifend aber auch enttäuschend herausgestellt. Die Menschenmassen haben uns einen Eindruck gegeben, dass Auschwitz eine Touristenattraktion ist.
Gute Nacht. Laila Tov.
Alex und Anna
UPJ Netzer Deutschland – נצר גרמניה
Die Website der Jugendabteilung der Union progressiver Juden in Deutschland
Netzer Aviv Seminar 2011 Blog – Tag 11
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