„Willkommen zurück in Israel. Es ist so gut dich zu Hause zu haben.“

Categories: Gilad Shalit, Israel
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Published on: 19. Oktober 2011

Der im Jahre 2006 von der Hamas entführte israelische Soldat Gilad Shalit ist nach Hause zurückgekehrt.

Nach 5 Jahren und 4 Monaten wurde der nun bereits 25-Jährige nach intensiven Verhandlungen zwischen der Hamas und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu wieder mit seiner Familie vereint.

Die beiden Parteien kamen in der vorherigen Woche zu der Übereinkunft, dass 1027 palästinensische Gefangene im Austausch für Shalits Heimkehr aus israelischer Haft entlassen werden würden.

Israel begann früh morgens am Dienstag, den 18. Oktober 2011 den Transport der palästinensischen Straftäter in kleinen Konvois nach Gaza und zu verschiedenen Orten im Ausland. Während Gilads Eltern Aviva und Noam an der Militärbasis Tel Nof südlich von Tel Aviv auf das Eintreffen ihres Sohnes warteten wurde dieser zunächst von der Hamas in ägyptische Hände übergeben. Nach einem Interview und einer medizinischen Untersuchung wurde der Soldat nach Tel Nof transportiert, wo er von Premierminister Benjamin Netanjahu mit den Worten „Willkommen zurück in Israel. Es ist so gut dich zu Hause zu haben.“ empfangen wurde.

Im Folgenden wurde Shalit mit seiner ihn sehnsüchtig erwartenden Familie wiedervereint. Nach weiteren medizinischen Untersuchungen, die eine leichte Unterernährung und die Folgen des Sonnenlichtentzugs feststellten, wurde die gesamte Shalit Familie mit einem Militärhelikopter zu ihrer Heimatstadt Mitzpe Hila im Norden Israels geflogen. Dort empfing den lang erwarteten Gefangenen eine euphorische Parade von Freunden, Familienmitgliedern und Unterstützern mit Blumen und Liedern, die seine Rückkehr feierten.

Seit dem frühen Mittag des 18. Oktobers saß der Großteil des Lands gespannt und hoffnungsvoll vor Computer und Fernseher um die Ereignisse genauestens zu verfolgen. In der vorangegangen Woche begann sich bereits eine unterschwellige Freude unter den Menschen auszubreiten. Die Gespräche zwischen der Hamas und den Vertretern der israelischen Regierung waren die Rückkehr der Hoffnung nicht nur für Shalits Rückkehr, sondern ebenfalls für einen vorstellbaren Frieden in näherer Zukunft. Davon begleitet war die Angst vor einer wiederholten Enttäuschung durch einen möglichen Misserfolg der Verhandlungen aber auch vor dem großen Risiko, das dieser Austausch birgt.

Die Rückkehr Shalits ist für viele ein Wunder. Je länger seine Gefangenschaft dauerte umso mehr wurde es eine verzweifelt ersehnte Unmöglichkeit, eine aufgegeben Hoffnung. Im Fortschritt dieses Tages wurde es endlich Wirklichkeit. Die Nachricht von Gilads Ankunft auf israelischem Boden sorgte für ein erleichtertes Aufatmen und ausgelassene Freude in einem Teil der israelischen Bevölkerung, eine tiefe Enttäuschung allerdings in einem anderen.

Während die Familie Shalit und deren Unterstützer der Ausführung des Handels entgegen fieberten, hatte die Oppositionsgruppe bestehend aus Familienangehörigen und Freunden von israelischen Terroropfern noch am Montagabend versucht beim Höchsten Gericht einen Beschluss zur Verhinderung des Austausches durch zubringen.

Bei der Freude um Gilads Heimkehr darf nicht vergessen werden, dass hierfür ein hoher Preis gezahlt wurde. Viele der freigelassenen Gefangenen sind von dem von Menschenrechtsorganisationen anerkannten israelischen Gericht auf Lebenszeit verurteilte Mörder, die für Terroranschläge in Israel verantwortlich sind und damit die ermordeten Familienmitglieder der Opposition auf dem Gewissen haben. Die Freilassung dieser Gefangenen bedeutet daher ein erheblich zunehmendes Risiko für weitere terroristische Anschläge. Die tatsächliche Möglichkeit einer solchen Zukunftsaussicht wird durch die Begeisterung und der Forderung nach einem „neuen Gilad Shalit“ in der palästinensischen Bevölkerung deutlich.

Die Oppositionsmitglieder argumentieren damit, dass die Rettung des Lebens von Gilad Shalit die Ermordung vieler weiterer Israelis zur Folge haben könne und, dass folglich der Austausch von 1027 Mördern und Verbrechern auf palästinensischer Seite für einen Israeli in keiner Relation stehe.

Dieser Argumentation steht allerdings einer der grundsätzlichsten jüdischen Werte entgegen, der Erhalt des menschlichen Lebens, der sich über alle anderen Gebote hinwegsetzt. Weiterhin ist es eine Besonderheit der israelischen Armee, dass kein Soldat zurückgelassen und um jedes Leben gekämpft wird, denn besonders hier findet das Gebot, dass das Leben das höchste Gut ist, Anwendung.

Die Ereignisse des 18. Oktobers 2011 entfachten eine Welle von Euphorie und Freude in der israelischen Bevölkerung, denn der erfolgreiche Austausch mit der Hamas ist eine unerwartete positive Entwicklung in den Verhandlungen des Nahostkonflikts.

Dennoch ist sich jeder Israeli über die allgemeine Ungewissheit und die möglichen negativen Folgen für die Gesellschaft im Klaren.

Weiterhin wirft dieser Tag eine Menge Fragen auf, die noch unbeantwortet im Raum stehen. Wie geht es weiter für den Soldaten, der für sein Land kämpfen wollte aber daraufhin 5 Jahre in Gefangenschaft in einem Keller in Gaza verbrachte? Was bedeutet dieser Tag für den Fortschritt der Nahostpolitik? Ist dieser mehr als ungleiche Handel eine Errungenschaft oder ein Zeichen der Schwäche für Israels Vorgehensweise mit terroristischen Gruppierungen? Hat Benjamin Netanjahu die richtige Entscheidung getroffen?

Meiner Meinung nach gibt es für diese letzte bestimmte Frage nur eine richtige Antwort: Benjamin Netanjahu hat die richtige Entscheidung getroffen.

Es muss ein schwerer Prozess gewesen sein, zu diesem Abkommen zuzustimmen, doch Entscheidungen wie diese sind ein Paradebeispiel für die israelische Volksgemeinschaft. Die faszinierend starke Bewertung des Lebens eines Individuums zeigt mehr als deutlich die Bedeutsamkeit von traditioneller ethischer Gesinnung und dem Jahrtausende überdauernden Zusammenhalt des Volkes Israel.

Das Individuum wird nicht für das Kollektiv geopfert sondern, im Gegenteil, der Einzelne wird von der Gesellschaft gerettet, auch wenn dafür drastische Maßnahmen notwendig sind.

1 Comment
  1. Rosh Netzer sagt:

    Liebe Rebecca,
    danke für den wunderbaren Bericht.
    Adrian

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